Durchstich

Letzten Freitag war ich auf einem Seminar „Single Responsible Principle Extreme“ mit Ralf Westphal und Stefan Lieser. Das war ein außergewöhnliches Ereignis, das, zumindest für mich persönlich über das Thema Softwaredesign hinausging. Die beiden sind ein sehr interessantes Duo. Ich würde sogar behaupten, dass die beiden ihr Lehr-Potential erst gemeinsam richtig entfalten können. Ich erfuhr Ralf Westphal als kompromisslosen Forscher, der den Dingen (allen Dingen!) ganz auf den Grund gehen will. Daraus folgt bisweilen sein Ruf, philosophisch etwas abgehoben zu sein. Da er vermutlich auch von seinen Zuhörern dasselbe verlangt, wie von sich selbst – den Zusammenhängen auf den Grund zu gehen – wirkt er teilweise sehr fordernd. Als Beteiligter (und wir waren „nur“ neun Teilnehmer, also war jeder beteiligt) bekommt man dabei unter Umständen das Gefühl, etwas begriffsstutzig zu sein. Doch zum Glück ist auch Stefan Lieser da, der gewissermaßen als Brücke fungiert. Er wirkt menschlich zugänglich und schafft es dadurch, der Athmosphäre wieder Lockerheit zu verleihen. Es bleibt dann jedem selbst überlassen, inwieweit er sich in dem Lehrgang fordern will. Nein, das bleibt es sowieso, aber es nimmt den Druck etwas weg.

Wie immer bei Kontakten zu außergewöhnlichen Menschen gibt es scheinbar simple Sätze, die sich ins Hirn einbrennen. Für mich war es der Kern der Veranstaltung. Ralf hat die Anwesenden gefühlte Stunden lang, unter Anwendung einiger trivialer Problemstellungen, aufgefordert, die Frage zu klären, wie man ein komplexes Problem, das zudem in der weiteren Entwicklung noch komplexer werden kann, auf einfache Weise darstellen kann. In den meisten Fällen gingen die Teilnehmer so vor, dass das Problem als Ganzes versucht wurde, zu vermitteln. Auch ich war es gewohnt, so vorzugehen. Ich sah mich also wieder einmal in der Situation, eine schier unendliche Fülle an Information darzustellen. Und etwas Komplexes darzustellen, das ist gleichbedeutend damit, es für sich selbst klar zu machen. Es hat nicht mal etwas mit Aufschreiben zu tun, sondern damit, ein diffuses „Etwas“ zu klären. Meine bisherigen Bemühungen liefen darauf hinaus, dass ich versuchte, alle Aspekte unter einen Hut zu bringen und mehr oder weniger zu schätzen, wie das „Endergebnis“ aussehen würde. Das Ergebnis ist natürlich dann diffus, erscheint wenig brillant und wie ein Schuss ins Blaue. Man erdenkt sich Klassen oder eine Klassenhierarchie, die die ersten Anforderungen erfüllen und in Zukunft vielleicht auch diese oder jene, noch kommende Anforderung, erfüllen könnten. Manchmal hatte ich damit Recht, aber manchmal eben nicht, dann geht die Refaktorisierung los.

Der neue Ansatz lautet, die diffuse Wolke mehrfach zu „durchstechen“. Also nicht ein vieldimensionales Gedankenmodell komplett als Ganzes darzustellen, denn das ist nicht möglich. Sondern, wie man mit einem Tomographen Querschnitte des Körpers sammelt, solche Durchstiche zu sammeln. Wobei jeder einzelne Durchstich möglichst atomar sein sollte. Das hat dann nicht nur den Vorteil der optimalen Evolvierbarkeit (denn es entscheidet sich später, wie die Funktionen zu sinnvollen Klassen angeordnet werden können), sondern trennt auch Verantwortlichkeiten.

Merke: ich brauche keine komplexen Sachen darzustellen. Sondern immer ein Aspekt dieser Sache nach dem anderen.

– Verfasser: Alexander Ziegler

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Über hecogmbh

Die heco gmbh ist ein Handelshaus sowie ein Produzent für Fittings und Armaturen aus rostfreiem Edelstahl. Unsere Produkte werden im Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau sowohl in der chemischen Industrie als auch in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt. Mit mehreren Standorten europaweit sind wir immer in Ihrer Nähe.
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